Worum es in dieser Phase geht
Die meisten KI-Projekte im Mittelstand beginnen mit einer Toolauswahl. Das ist der falsche Startpunkt. Ein Assistent, der auf einen ungeordneten Dokumentenbestand zugreift, gibt ungeordnete Antworten — nur schneller und mit mehr Selbstvertrauen.
Das Wissensaudit klärt zuerst, worum es überhaupt geht: Welche Fragen stellen Mitarbeiter im Alltag tatsächlich? Wo finden sie die Antworten heute — im Dokument, im Kopf eines Kollegen, gar nicht? Und welches dieser Wissensgebiete hängt an einzelnen Personen, die in absehbarer Zeit ausscheiden?
In der Fertigungsindustrie ist der letzte Punkt besonders scharf: Anlagenspezifisches Erfahrungswissen, gewachsene Sonderlösungen bei Kunden, die Gründe hinter Konstruktionsentscheidungen — das steht selten vollständig geschrieben irgendwo. Es geht mit dem Menschen.
Diese Phase liefert am Ende keine Software, sondern eine Entscheidungsgrundlage: eine priorisierte Liste, welche Wissensbereiche zuerst angegangen werden und warum.
Kernaussagen
Was am Ende der Phase vorliegt
- Eine Liste der real gestellten Fragen, gesammelt aus dem Arbeitsalltag statt aus Annahmen
- Eine Karte, wo die Antworten heute liegen — Dokument, System, Person oder nirgends
- Eine Risikobewertung: Welches Wissen hängt an einzelnen Personen
- Eine Priorisierung, welcher Wissensbereich den Pilotbetrieb trägt
Typische Stolpersteine
- Das Audit wird als IT-Aufgabe geführt statt gemeinsam mit den Fachbereichen — dann fehlen genau die Fragen, um die es geht
- Es wird erfasst, welche Dokumente existieren, statt welche Fragen gestellt werden. Der Dokumentenbestand ist das Angebot, nicht die Nachfrage
- Implizites Wissen wird übersehen, weil es keine Datei hat. Genau dort liegt aber das größte Verlustrisiko
- Der Umfang wird zu groß gewählt. Ein Pilotbereich mit klarer Abgrenzung liefert schneller belastbare Erkenntnisse als eine Gesamterhebung
Beiträge zu dieser Phase
- Praxisnotiz Wie man den Pilotbereich zuschneidet — und warum der größte Schmerz der falsche Startpunkt ist Der Bereich mit dem höchsten Leidensdruck ist selten der beste Einstieg. Vier Kriterien, nach denen sich ein Pilotbereich sinnvoll auswählen lässt.
- Praxisnotiz Warum ein Wissensaudit bei den Fragen anfängt, nicht bei den Dokumenten Der Dokumentenbestand beschreibt das Angebot, die gestellten Fragen die Nachfrage. Warum die Reihenfolge über den Nutzen entscheidet — und was man dabei mitmessen sollte.
- Konzept Wissensaudit: Wie man herausfindet, welches Wissen wirklich kritisch ist Ein Wissensaudit beginnt nicht bei den Dokumenten, sondern bei den Fragen. Vorgehen, Beteiligte und die Kriterien, nach denen sich Wissensbereiche priorisieren lassen.
Weiterführend
Geschrieben von
Christian Ohle
KI-Entwickler & Online-Marketer · seit 2005 im Web
Seit 2005 mit dem Web: Online-Marketing, Coding, lokale KI. Schreibt hier über Unternehmens-KI, Wissensmanagement, RAG, KI-Agenten und Automatisierung — alles selbst gebaut und getestet, inklusive der Setups, die nicht funktioniert haben.
christianohle.de ist ein persönliches Projekt — kein Beratungsangebot, keine Agentur und keine Akquise-Plattform. Mehr dazu.